Herzfrequenzmessung per Handy


App misst besser als Praxistest
Herzfrequenzmessung per Handy

Ärzte konnten in einer Vergleichsstudie die Durchblutung der Hand genauer mittels einer Handy-App messen als mit dem herkömmlichen Allen-Test, den Ärzte in der Praxis verwenden.

Durchblutungsmessung mal anders

Bei Patienten, die eine Herzkatheteruntersuchung erhalten oder bei denen eine arterielle Blutentnahme ansteht, führt der Arzt vorher den so genannten Allen-Test durch. Hierbei testet der Mediziner, ob nach Abdrücken einer in die Hand führenden Arterie die Blutversorgung durch die andere Arterie noch ausreichend ist.

Kanadische Forscher verglichen in einer Studie bei über 400 Teilnehmern die Genauigkeit des traditionellen Allen-Testes mit einer Handy-App. Bei der verwendeten App (Instant Heart Rate-App Version 4.5.0 auf einem iPhone 4S) ermittelt die eingeschaltete Kamera den Pulsschlag, da sich die Lichtintensität abhängig vom Herzschlag verändert. Die Teilnehmer waren in zwei Gruppen aufgeteilt und sollten sich später einer Koronarangiografie unterziehen. Eine Gruppe wurde mit der App bewertet und die andere mit dem Allen-Test. Die Smartphone-App besaß eine diagnostische Genauigkeit von 94 Prozent und war der traditionellen Allen-Methode mit 84 Prozent überlegen.

Die Zukunft: Apps als Medizinprodukte

Laut der Studie kann eine Handy-App den aktuellen medizinischen Standard erreichen oder sogar übertreffen und stellt eine sinnvolle Ergänzung in der Praxis dar. Die Hersteller der App weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass die mobile Anwendung nicht zur medizinischen Diagnostik verwendet werden soll, da ein Medizinprodukt eine CE-Prüfung und -Kennzeichnung benötigt. „Auch wenn Apps nicht als Medizinprodukt konzipiert wurden, ist es wichtig, dass sie ebenso gründlich bewertet werden wie andere Therapien und diagnostische Tests“, fordert Pietro Di Santo, Erstautor der Studie. „Wegen der weit verbreiteten Verfügbarkeit von Smartphones werden Apps zunehmend als Point-of-Care-Diagnostik in klinischen Umgebungen mit minimalen oder keinen Kosten eingesetzt“, ergänzt Mitautor Benjamin Hibbert.

Quelle: www.aerzteblatt.de

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